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Von deklarativ zu verifiziert: 5 Erkenntnisse zur Menschenrechts-Due-Diligence-Prüfung

In diesem Webinar teilten Sedex und L'Oréal eine praxisnahe und erfahrungsbasierte Perspektive darauf, wie Organisationen von einem weitgehend deklarativen Ansatz zur Menschenrechts-Due Diligence hin zu einem verifizierten, skalierbaren und in die Geschäftsentscheidungen integrierten Modell übergehen können.  


Basierend auf regulatorischen Erwartungen, Branchenstandards und L'Oréals eigener Transformationsreise zeigte die Diskussion, wie effektive Due Diligence heute in der Praxis aussieht.

Im Folgenden fassen wir die fünf wichtigsten Erkenntnisse aus der Sitzung zusammen, gefolgt von einer Auswahl der von den Teilnehmern gestellten Fragen und den während des Webinars geteilten Antworten.

Wichtigste Erkenntnis #1 – Due Diligence ist ein fortlaufender, risikobasierter Managementprozess 

Eine zentrale Botschaft des Webinars war, dass die Sorgfaltspflicht der Menschenrechte nicht als einmalige Maßnahme oder rein compliance-orientierte Tätigkeit behandelt werden kann. Im Einklang mit dem OECD-Rahmen und gestärkt durch neue Vorschriften wie die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) ist Due Diligence am besten als kontinuierlicher Zyklus zu verstehen: Risikoerkennung, Vorbeugung und Minderung von Schäden, Nachverfolgung der Wirksamkeit ergriffener Maßnahmen und transparente Kommunikation über Fortschritte.

Dies stellt eine Verschiebung des Fokus dar. Anstatt nur Risiken für das Unternehmen zu betrachten, wird von Organisationen zunehmend erwartet, Risiken für Menschen in ihren Lieferketten zu bewerten und zu managen. Für Beschaffungs- und Nachhaltigkeitsteams bedeutet das, bestehende Lieferantenrisikomanagementprozesse durch eine tiefere Verifikation, klarere Priorisierung und dokumentierte Behebungen im Zeitverlauf zu stärken. 
 

Wichtigste Erkenntnis #2 – Sinnvolles Risikomanagement erfordert Transparenz über Tier 1 hinaus 

Die Diskussion unterstrich auch, dass einige der schwerwiegendsten Menschenrechtsrisiken selten allein auf Tier-1-Ebene zu finden sind. Sie befinden sich oft weiter stromaufwärts, bei Tier2- und Tier3-Lieferanten, Subunternehmern, Händlern oder Rohstoffproduzenten. Ohne Transparenz über direkte Lieferanten hinaus wird es schwierig zu verstehen, wo die kritischsten Risiken liegen und wo dringend Maßnahmen erforderlich sind.

Sedex unterstützt diese Herausforderung, indem es Organisationen ermöglicht, inhärente Risikodaten auf Länder- und Sektorebene mit vor Ort gesammelten Informationen zu kombinieren, die durch Bewertungen und Audits gesammelt werden. Diese geschichtete Transparenz hilft Teams, sich von Annahmen zu lösen und zu einem evidenzbasierteren Verständnis von Risiken in komplexen Lieferketten hinweg zu gelangen.

Wichtigste Erkenntnis #3 – Die Kombination verschiedener Datenquellen ermöglicht eine intelligentere Priorisierung 

Anstatt sich auf ein einzelnes Werkzeug oder einen Datenpunkt zu verlassen, bringt effektive Due Diligence mehrere Informationsquellen zusammen. Wie im Webinar besprochen, bieten inhärente Risikoindikatoren einen Ausgangspunkt, indem sie risikoreichere Länder, Sektoren und Aktivitäten hervorheben. Lieferanten-Selbsteinschätzungen fügen dann wichtigen Kontext hinzu und bieten Einblicke in Managementsysteme, Richtlinien und die täglichen Praktiken auf Standortebene.

Vor-Ort-SMETA-Audits, die entweder die 2-Säulen- oder 4-Säulen-Methodik verwenden, spielen eine ergänzende Rolle, indem sie Bedingungen überprüfen und Nichtkonformitäten identifizieren. Wenn diese Elemente zusammen eingesetzt werden, ermöglichen es Organisationen, Audits und Sanierungsmaßnahmen dort zu priorisieren, wo sowohl das Risiko als auch die potenziellen Auswirkungen auf die Mitarbeiter am größten sind, anstatt einen einheitlichen Ansatz bei allen Lieferanten anzuwenden.

Wichtigste Erkenntnis #4 – SMETA 7.0 unterstützt einen tieferen Fokus auf systemische Risiken 

Das Webinar hob hervor, wie die Entwicklung von SMETA die Bewertung systemischer und aufkommender Risiken stärkt. Über traditionelle Compliance-Überprüfungen hinaus legt die Methodik verstärkten Wert auf Themen wie Rekrutierungsgebühren und Zwangsarbeitsrisiken, existenzsichernde Lohnlücken, Geschlechtergerechtigkeit und die Reife von Managementsystemen.

Durch die Förderung einer strukturierteren Bewertung von Richtlinien, Ressourcen, Schulungen und Kontrollen hilft SMETA 7.0 Organisationen, über isolierte Korrekturmaßnahmen hinauszugehen. Stattdessen unterstützt es einen ganzheitlicheren Ansatz zur Identifizierung der Ursachen und zur kontinuierlichen Verbesserung der Lieferanten.

Wichtigste Erkenntnis #5 – L'Oréals Weg zeigt, wie Due Diligence pragmatisch skaliert werden kann 

L'Oréal berichtete, dass sein langjähriges Sozialprüfungsprogramm, das ursprünglich 2006 gestartet wurde, nun im Rahmen eines strukturierten Dreijahres-Transformationsplans auf Sedex und SMETA umgestellt wird. Zentrale Ziele hinter diesem Wandel sind die Ausrichtung an einen weithin anerkannten Marktstandard, eine Verringerung der Prüfungsmüdigkeit der Lieferanten und eine größere Beteiligung der Lieferanten am Auditprozess.  

Indem qualitative Prüfungsergebnisse in ein internes Bewertungssystem übersetzt und diese Daten in Beschaffungstools integriert werden, stärkt L'Oréal die Frage, wie Due-Diligence-Einblicke Geschäftsentscheidungen informieren. Gleichzeitig ermöglicht dieser Ansatz den Teams, weniger Zeit für die Verwaltung und mehr für die Unterstützung von Sanierung und Verbesserung vor Ort zu verwenden.  

Haben Sie Lücken zwischen den SMETA-Audits und dem bisherigen internen Ansatz von L'Oréal festgestellt?  

Insgesamt stellte L'Oréal fest, dass die durch die SMETA-Audits identifizierten Haupttrends mit denen im bisherigen internen Programm übereinstimmen. Bestimmte Themen, insbesondere existenzsichernde Löhne, wurden jedoch zuvor nicht auf die gleiche Weise bewertet. Mit SMETA 7.0 sind diese Probleme nun sichtbarer, während L'Oréal weiterhin ergänzende Programme zur Unterstützung von Lieferanten in diesen Bereichen durchführt.  

Wie haben Lieferanten auf den Beitritt zu Sedex reagiert?  

Die Reaktionen der Lieferanten waren unterschiedlich. Diejenigen, die bereits mit Sedex vertraut sind, begrüßten den Übergang im Allgemeinen, insbesondere weil er hilft, Audit-Doppelarbeit und Ermüdung zu reduzieren. Für andere Lieferanten, insbesondere kleinere Organisationen oder solche mit begrenztem Geschäftsvolumen, war zusätzliches Engagement erforderlich. L'Oréal unterstützt dieses Onboarding durch klare Kommunikation, Einbindung der Käufer, spezielle Webinare und die Lieferantenbindungsdienste von Sedex.  

Setzen Sie Beschränkungen darauf, welche Prüfungsfirmen Lieferanten nutzen dürfen?  

L'Oréal stützt sich auf die Liste der von Sedex genehmigten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die einer Due Diligence unterzogen wurde. Dieser Ansatz trägt dazu bei, die Qualität der Prüfungen zu gewährleisten, gleichzeitig die Verfügbarkeit von Prüfern zu erhöhen und Engpässe in bestimmten Regionen zu verringern.  

Fazit 

Das Webinar unterstrich eine klare Botschaft: Effektive Due Diligence im großen Maßstab hängt von Standardisierung, Daten und Zusammenarbeit ab. Durch die Kombination von Risikoinformation, verifizierten Audits und einem Fokus auf Sanierung können Organisationen über eine Compliance-Denkweise hinausgehen und auf widerstandsfähigere und verantwortungsvollere Lieferketten hinarbeiten.

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